Ribbelkönigin

 

Es passiert ja immer mal wieder: Irgendetwas ist mit dem begonnenen, fortgeschrittenen oder gar fertigen Strickstück nicht in Ordnung. Das Muster ist verzogen, die Farben gefallen einem doch nicht oder die Ärmel sind viel zu eng geworden. Gründe für das Aufribbeln gibt es genug. Auch für Profistricker und Designer (man verzeihe mir die ausschließlich männliche Form, es ist mir einfach immer viel zu kompliziert, die weibliche Form hinten dranzuhängen - und ich finde es auch albern).

 

Heute rufe ich mich aber selbst mal als Ribbelkönigin aus. Zumindest für diesen einen Tag. Ich freue mich, wenn jemand diesen Titel an einem anderen Tag übernimmt, aber vorerst bin ich dran. Ich habe heute einen Pullover, an dem ich erst gestern den letzten Faden vernäht habe, komplett wieder aufgeribbelt. Komplett heißt, dass er bereits zusammengenäht und mit allen erforderlichen Blenden versehen war. Man hätte ihn also sofort anziehen können. Hätte. Sah aber leider schrecklich aus.

Unüberlegte Projekte

Schuld waren zwei Knäuel "Silk Garden" von Noro in der Farbe 341. Die waren eigentlich für einen Kundenauftrag gedacht, erwiesen sich dann aber als unpassend für das geplante Projekt. Ich fand das Garn aber so schön, dass ich es unbedingt verstricken wollte - und zwar ohne Nachschub zu bestellen, denn mein Wollvorrat platzt gerade aus allen Nähten.


Meine Idee: Ich wollte einen Pullover stricken und aus dem Noro-Garn so eine Art Wickelweste machen, die nur aus den beiden Vorderteilen bestand und auf das Vorderteil des Pullovers geheftet werden sollte.


Und dann tat ich das, wovon ich sonst jedem abrate: Ich entschied mich für das farblich passende "Baby Alpaca DK" von FairAlpaka (in der Farbe orange heather - wunderschön!) für den Pullover. Obwohl mir schon schwante, dass beide Garne in Kombination vielleicht doch ein wenig zu viel des Guten war. Die Grundidee ist auf dem Foto zu sehen. Die Farben finde ich immer noch toll zusammen, aaaaber: Das Ganze wurde einfach viel zu dick, selbst gertenschlanke Menschen sahen darin aus wie die Frau von Barbapapa (falls die noch jemand kennt).


Gemerkt habe ich das wie gesagt ziemlich schnell, aber manchmal verschließt man halt die Augen vor Dingen, die nicht sein sollen. Mein Pech. Denn auch heute morgen sah das Teil immer noch einfach schrecklich aus.



Ribbeln für das nächste Jahr

Was also tun? Meine Zeit ist ja immer knapp und mir war klar, wie lange es dauern würde, bis Pullover samt Westenteil wieder zu handlichen kleinen Knäueln geschrumpft sein würden. Also wurde erst gar nicht lange überlegt. Ich habe alles fein säuberlich wieder aufgetrennt und mir schon dabei fiese kleine Wollfusseln in die Augen getrieben. Noch schlimmer wurde es beim anschließenden Ribbeln. Aber Strafe muss sein.


Leider musste ich insbesondere bei der Silk Garden feststellen, dass sie nach dem Ribbeln unschöne Wellen schlug. Bei der Baby-Alpaka war es zwar nicht ganz so schlimm, aber so richtig glatt war sie auch nicht mehr. Natürlich will ich beide Garne wieder neu verstricken (wenn das jetzt auch bis zum nächsten Winter warten muss). Und dann soll alles bitte schön wieder richtig glatt sein. Also habe ich nicht einfach neue Knäuel gewickelt. Die Silk Garden habe ich schön stramm um ein großes Schneidebrett gewickelt, die Baby-Alpaka wurde um mehere Stuhllehnen gespannt. Beides wurde schön angefeuchtet und trocknet jetzt vor sich hin. Mit dieser Methode habe ich die besten Erfahrung gemacht. Sowohl Wolle tierischen Ursprungs als auch pflanzliche Fasern wie Baumwolle sind nach dem Trocknen wieder glatt wie direkt nach dem Kauf. Eine Freundin von mir zieht das Garn immer durch Wasserdampf (oberhalb eines Topfes mit kochendem Wasser) und wickelt es dann um ein Schneidbrett. Geht auch, aber nachdem ich mir ein paarmal die Finger verbrannt habe und zudem meine Brille ständig beschlagen ist und ich quasi blind wickeln muss, bin ich wieder zu meiner alten Methode zurückgekehrt.


Jetzt bin ich selbst gespannt, was im nächsten Winter aus diesen beiden Garnen entstehen wird. Zusammen werde ich sie wohl nicht mehr verstricken. Also gibt es aus der Silk Garden höchstens eine Mütze oder ein kleines Tuch. Mal sehen. Jetzt liegen jedenfalls etliche Knäuel Baumwolle in meinem Strickkorb, die zu einem Frühlingspullover verarbeitet werden sollen. Dieses Projekt habe ich mir diesmal gut überlegt. Die Chancen stehen also gut, dass ich demnächst ein neues Design vorstellen kann.


In diesem Sinne: Fröhliches Ribbeln!


Bis bald!

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